Bewerbungsfoto im Freien

Bewerbungsfoto draußen: Die Uhrzeit schlägt den Ort

Sieben von acht Treffern auf der ersten Google-Seite stammen von Fotografen. Fast alle raten zum sonnigen Tag und warnen im selben Text vor direkter Sonne. Diese Seite rechnet nach, wann das Licht in Deutschland überhaupt mitspielt.

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Frau Anfang dreißig im offenen Schatten vor einer hellen Betonfassade, das Gesicht weich und gleichmäßig ausgeleuchtet

Der häufigste Rat widerspricht sich selbst

Wer „bewerbungsfoto draußen" sucht, landet auf einem Feld aus Fotografenseiten. Das ist kein Vorwurf, denn diese Leute können ihr Handwerk. Es führt aber dazu, dass alle dieselbe Frage beantworten, nämlich ob man es machen darf. Die Frage davor beantwortet niemand.

  1. Acht Treffer auf der ersten Seite, davon sieben von Fotografen oder einem Fotostudio-Ausrüster.

    Der achte ist eine Pinterest-Sammlung. Ein neutraler Ratgeber ist nicht dabei.

  2. Keine einzige Quelle nennt eine Uhrzeit, ein Datum oder eine Schwelle.

    „Direkte Sonne meiden" steht überall. Wann direkte Sonne beginnt, steht nirgends.

  3. Die Fachleute widersprechen sich in der Frage konservativer Branchen offen.

    Dieser Widerspruch wird weiter unten in der FAQ nicht geglättet, sondern ausgestellt.

„Wählen Sie für das Shooting einen sonnigen Tag, an dem das Licht besonders freundlich ist."
studiobedarf24.de, „Bewerbungsfoto Outdoor: 5 goldene Regeln"
„Vermeiden Sie direktes Sonnenlicht. Suchen Sie gemeinsam mit dem Fotografen einen Unterschlupf, etwa unter einem Dach oder einem Balkon."
dieselbe Seite, zwei Absätze später

Beide Sätze stimmen für sich. Zusammen ergeben sie eine Anweisung, die man nicht ausführen kann, solange niemand sagt, wann die Sonne zu hoch steht. Genau das lässt sich ausrechnen.

Der Sonnenbogen

Wann das Fenster offen ist und wann nicht

Die Grafik zeigt, wie hoch die Sonne über Berlin im Lauf eines Tages steht. Oberhalb von 30 Grad fällt das Licht so steil ein, dass die Augenhöhlen absaufen und die Nase einen harten Schatten über den Mund wirft. Das ist der Zustand, den alle Fotografenquellen umschreiben, ohne ihn zu beziffern.

Sonnenhöhe über Berlin am 15. August und am 15. Dezember Zwei Kurven zeigen, wie hoch die Sonne im Lauf des Tages steht. Die Augustkurve steigt um 09:09 Uhr über 30 Grad und fällt erst um 16:55 Uhr wieder darunter; dazwischen ist das Licht für ein Gesicht zu steil. Die Dezemberkurve bleibt mit höchstens 14 Grad den ganzen Tag unter der Schwelle. Unter der Zeitachse fassen zwei Streifen das Ergebnis zusammen: im August ist die Mitte des Tages zu, im Dezember ist der ganze kurze Tag offen. 040608101214161820 10°20°30°40°50°60° Uhrzeit, Berlin 30°: darüber wird das Gesicht hart 09:09 16:55 15. August, Höchststand 51° 15. Dezember, Höchststand 14° August Dezember

Das Diagramm lässt sich seitlich schieben.

  • Sonne unter 30 Grad: Fenster offen
  • Sonne über 30 Grad: Fenster zu

Gerechnet für Berlin, 52,52° Nord. Sonnenhöhe aus der Standardformel sin h = sin φ · sin δ + cos φ · cos δ · cos H, Deklination nach Cooper, Umrechnung auf Wanduhrzeit über Längengrad und Zeitgleichung. Gegenprobe: Das Modell liefert für den 15. Dezember Sonnenaufgang 08:20 und Sonnenuntergang 16:00, veröffentlicht sind 08:12 und 15:53. Die Werte sind deshalb auf eine Viertelstunde genau zu lesen, nicht auf die Minute.

Dieselbe Frau in praller Mittagssonne, die Augen liegen im Schatten, unter der Nase ein harter Schatten, Stirn und Wangen ausgebrannt
Dieselbe Person und dieselbe Kleidung, sieben Stunden früher am selben Tag aufgenommen.

Sieben Stunden und fünfzig Minuten sind zu

Am 15. August steigt die Sonne über Berlin um 09:09 Uhr über die 30-Grad-Marke und fällt erst um 16:55 Uhr wieder darunter. Dazwischen liegen sieben Stunden und fünfzig Minuten, also genau die Zeit, in der ein normaler Mensch überhaupt daran denken würde, für ein Foto rauszugehen.

Der Unterschied zwischen Norden und Süden ist dabei kleiner als man erwartet. In Hamburg ist das Fenster an diesem Tag 7,7 Stunden zu, in München 8,0 Stunden. Über die ganze Republik liegen keine zwanzig Minuten dazwischen, weshalb der Befund national gilt.

Das Tagesfenster, Monat für Monat

Die Zeile, die überrascht, ist nicht der Juni. Es sind die fünf Monate, in denen die Spalte in der Mitte leer bleibt: Von Oktober bis Februar erreicht die Sonne über Deutschland an keinem Punkt des Tages 30 Grad. In diesen Monaten gibt es kein Zeitfenster, das man treffen müsste, weil der ganze Tag eines ist.

Sonnenhöhe und nutzbare Zeit, Berlin, jeweils 15. des Monats. Farbig hinterlegt sind die Monate ohne geschlossenes Fenster.
Monat Höchststand 30°-Durchgang Draußen brauchbar
Januar16°nieden ganzen Tag
Februar24°nieden ganzen Tag
März35°10:07 / 13:47bis 10:00 und ab 13:45
April47°09:38 / 16:34bis 09:30 und ab 16:30
Mai56°08:51 / 17:30bis 08:45 und ab 17:30
Juni61°08:24 / 17:48bis 08:15 und ab 17:45
Juli59°08:27 / 17:34bis 08:15 und ab 17:30
August51°09:09 / 16:55bis 09:00 und ab 17:00
September40°10:34 / 15:50bis 10:30 und ab 15:45
Oktober28°nieden ganzen Tag
November18°nieden ganzen Tag
Dezember14°nieden ganzen Tag

Die Tabelle lässt sich seitlich schieben.

Daraus folgt eine Empfehlung, die dem üblichen Rat widerspricht: Für ein Bewerbungsfoto im Freien ist der November ein besserer Termin als der Juli. Der einzige Nachteil des Winters ist die Länge des Tages. Mitte Dezember bleiben in Berlin nur rund sieben Stunden und vierzig Minuten Helligkeit. Davon ist allerdings jede Minute nutzbar.

Vor dem Auslösen

Vier Prüfungen am Ort

Die Uhrzeit ist die erste Hürde, aber nicht die letzte. Diese vier Fragen lassen sich alle ohne Technik beantworten. Jede hat eine Schwelle, die man sehen kann.

  1. Steht die Sonne tief genug?

    Schwelle: dein Schatten auf dem Boden ist mindestens so lang wie du groß bist.

    Ist er kürzer, steht die Sonne über 45 Grad und du bist mitten im geschlossenen Fenster. Das ist die eine Prüfung, die du nicht durch Können ausgleichen kannst.

    Wenn nicht: in den offenen Schatten wechseln oder auf die Randstunden verschieben.

  2. Ist zwischen dir und dem Hintergrund genug Platz?

    Schwelle: mindestens fünf bis zehn Meter Abstand nach hinten.

    Alle drei Fotografenquellen lösen den unruhigen Hintergrund über offene Blende und lange Brennweite auf. Beides braucht Abstand. Direkt vor einer Hecke verschwimmt selbst mit guter Optik nichts.

    Wenn nicht: eine glatte Wand suchen, die auch scharf ruhig bleibt.

  3. Erzählt der Hintergrund dieselbe Geschichte wie die Bewerbung?

    Schwelle: du kannst in einem Satz sagen, warum genau dieser Ort zu dieser Stelle passt.

    Photobooth.online bringt das Missverhältnis auf den Punkt: „es ist schwer, sich einen hochbezahlten Anwalt in einem Feld vorzustellen". Eine Naturkulisse trägt, wenn der Beruf einen Naturbezug hat, sonst wirkt sie wie ein Urlaubsbild.

    Wenn nicht: Beton, Glas oder eine ruhige Fassade nehmen. Die passen fast überall.

  4. Bleibt dein Oberteil ruhig?

    Schwelle: einfarbig, kein Muster, kein Streifen, kein Karo.

    Žana Jozeljić begründet das aus der Praxis: draußen trägt schon der Hintergrund Struktur und Linien. Kommt das Hemd mit eigener Struktur dazu, kämpfen zwei Muster um dieselbe Aufmerksamkeit.

    Wenn nicht: zwei bis drei Oberteile mitnehmen und vor Ort entscheiden.

Die vier Lagen, in denen es draußen funktioniert

Alle vier haben dasselbe Ziel: weiches Licht ins Gesicht bekommen, ohne dass die Sonne von oben hineinsticht. Sie unterscheiden sich darin, woher dieses weiche Licht kommt.

Lage 1

Offener Schatten

Du stellst dich in den Schatten eines Gebäudes, einer Toreinfahrt oder eines Balkons und drehst dich zur offenen, hellen Seite. Der Himmel vor dir wird dabei zu einer großflächigen weichen Lichtquelle, während über dir das Dach die steile Sonne wegnimmt. Studiobedarf24 nennt genau diesen Trick als erste seiner fünf Regeln, ohne ihn zu benennen: „suchen Sie gemeinsam mit dem Fotografen einen Unterschlupf".

Der Test: Halte die flache Hand waagerecht über deine Augen. Wird das Bild darunter merklich besser, stehst du noch falsch.

Mann Ende zwanzig im Schatten eines Torbogens, zur hellen Straße gedreht, das Gesicht gleichmäßig ausgeleuchtet ohne harten Schatten

Lage 2

Bedeckter Himmel

Eine geschlossene Wolkendecke ist die größte Softbox, die du bekommen kannst. Das Licht wird flach und schattenfrei, die Augenhöhlen bleiben offen. An so einem Tag spielt die Uhrzeit keine Rolle mehr. Der Preis dafür ist ein blasser Himmel im Hintergrund, weshalb dieses Licht besser vor eine Wand oder eine Fassade passt als unter freien Himmel.

Der Test: Wenn dein eigener Schatten auf dem Boden keine scharfe Kante mehr hat, ist die Decke dicht genug.

Frau Mitte vierzig auf einem offenen Platz bei geschlossener Wolkendecke, das Licht flach und schattenfrei im Gesicht

Lage 3

Tiefe Sonne von der Seite

In der letzten Stunde vor Sonnenuntergang kommt das Licht fast waagerecht. Es modelliert eine Gesichtshälfte warm durch, ohne die Augen zuzuschatten. Genau darauf zielt die Short-Light-Regel aus der Fotografenliteratur. Diese Lage ist die einzige, in der direkte Sonne im Sommer überhaupt brauchbar wird.

Der Test: Dein eigener Schatten auf dem Boden ist länger als du groß bist. Dann steht die Sonne unter 45 Grad.

Mann Mitte dreißig in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, warmes flaches Licht von links, beide Augen hell

Lage 4

Gegenlicht mit heller Fläche davor

Die Sonne steht hinter dir und zeichnet eine helle Kante um Haar und Schultern. Damit dein Gesicht dabei keine dunkle Fläche wird, braucht es vor dir etwas Helles, das Licht zurückwirft: eine helle Hauswand, eine Sandsteinfassade oder heller Asphalt reichen dafür. Studiobedarf24 beschreibt dasselbe als „die Reflexion der Sonne über dem Boden oder an einer gegenüberliegenden Hausfassade".

Der Test: Fotografiere einmal mit und einmal ohne die helle Fläche vor dir. Ohne sie wirst du im Bild grau.

Frau Ende zwanzig im Gegenlicht, Haarkante hell umrandet, Gesicht vom Licht einer hellen Sandsteinwand aufgehellt

Was die Kulisse über dich sagt

Der Hintergrund draußen ist nie neutral, weil er immer einen Ort behauptet. Photobooth.online bringt das Missverhältnis auf den Punkt: „es ist schwer, sich einen hochbezahlten Anwalt in einem Feld vorzustellen".

Kulisse Passt zu Anmerkung
Glasfassade, BürogebäudeWirtschaft, Verwaltung, BeratungTrägt fast überall. Julia Funke und Photobooth nennen sie beide zuerst.
Sichtbeton, glatte MauerTechnik, Bau, Architektur, HandwerkRuhig genug, um auch scharf im Bild zu bleiben.
Treppe, Innenhof, PassageKreative Berufe, Medien, AgenturLebendig. Braucht aber deutlichen Abstand nach hinten.
Grün, Park, FeldUmwelt, Landwirtschaft, erneuerbare EnergienTrägt nur mit echtem Naturbezug der Stelle.
Straßencafé, Fußgängerzonekaum eine StellePassanten und Schilder ziehen den Blick weg vom Gesicht.
Strand, UrlaubsmotivkeinePhotobooth benennt es ausdrücklich als das, was draußen nicht heißt.

Die Tabelle lässt sich seitlich schieben.

Was Profis draußen dabeihaben

„I almost always use flash for portraits, including in the outdoor scenarios you're talking about. Sometimes it's just for a bit of fill light to kill the shadows."
Berufsfotograf in einem Fachforum, auf die Frage nach Softboxen im Freien

Das ist der Teil, den die Beispielbilder auf den Fotografenseiten nicht zeigen. Die Aufnahmen, die draußen so entspannt aussehen, entstehen oft mit einem Blitz, der die Schatten aufhellt. Wer mit dem Handy rausgeht, macht deshalb nicht dasselbe wie der Fotograf auf dem Beispielbild, sondern etwas Schwereres.

Daraus folgt kein Verzicht. Es folgt daraus, dass du die Lichtlage suchen musst, statt sie zu korrigieren. Genau dafür ist die Uhrzeit oben der Hebel.

Wo die KI dir das abnimmt und wo nicht

Ein KI-Profilfoto löst genau den Teil, der draußen am schwersten ist. Die Richtung des Lichts, die Trennung vom Hintergrund und die weiche Fläche im Gesicht sind bei uns Vorgaben statt Glückssache. Vom Sonnenstand am Tag deiner Bewerbung hängen sie nicht ab.

Was die KI nicht liefert, ist ein Beleg dafür, dass du an einem bestimmten Ort standest. Wenn dein Bild eine echte Location zeigen soll, weil du dich zum Beispiel bei einem Betrieb bewirbst, dessen Gelände im Bild vorkommen soll, dann ist das die Arbeit eines Fotografen vor Ort. Für den Normalfall einer Bewerbung reicht ein sauberes Porträt mit einem Außenlook.

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Häufige Fragen

Ist ein Bewerbungsfoto draußen überhaupt erlaubt?

Ein Foto ist seit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ohnehin freiwillig. Für den Aufnahmeort gibt es keine Vorschrift. Die Frage ist also nicht die Erlaubnis, sondern die Wirkung: Das Bild muss zu der Stelle passen, auf die du dich bewirbst.

Funktioniert das auch in konservativen Branchen?

Hier widersprechen sich die Fachleute offen. Photobooth.online schreibt, bei einem konservativen Arbeitgeber funktioniere ein Foto draußen nicht. Julia Funke, die über zehn Jahre im Personalwesen einer Krankenkasse gearbeitet hat, hält Außenaufnahmen gerade auch in scheinbar konventionellen Branchen für geeignet. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt eine ruhige Fassade statt einer Naturkulisse, weil das den Unterschied zum Studiofoto klein hält.

Welche Uhrzeit ist im Sommer die beste?

Von Mai bis August steht die Sonne über Deutschland mittags zwischen 51 und 61 Grad hoch. In dieser Zeit fällt das Licht zu steil für ein Gesicht. Brauchbar sind die knapp drei Stunden nach Sonnenaufgang und die knapp drei Stunden vor Sonnenuntergang. Im August in Berlin heißt das etwa bis 09:00 Uhr und wieder ab 17:00 Uhr.

Warum soll der Winter besser sein als der Sommer?

Von Oktober bis Februar erreicht die Sonne in Deutschland an keinem Punkt des Tages 30 Grad Höhe. Damit gibt es kein Zeitfenster mehr, das man treffen müsste, weil der ganze Tag eines ist. Kürzer sind die Tage trotzdem: Mitte Dezember bleiben in Berlin nur rund sieben Stunden und vierzig Minuten Tageslicht.

Reicht das Handy für ein Bewerbungsfoto draußen?

Für das Licht ja, für den unscharfen Hintergrund nur mit Abstand. Die kleine Optik eines Handys erzeugt kaum echte Unschärfe, deshalb rechnet der Porträtmodus sie nach. An Haaren und Brillenbügeln sieht man diese Rechnung oft. Wer den Hintergrund ruhig halten will, sucht deshalb besser eine glatte Fläche statt sich auf die Unschärfe zu verlassen.

Was machen Fotografen draußen anders?

Sie bringen Licht mit. In einem Fachforum beschreiben Berufsfotografen übereinstimmend, dass sie draußen fast immer blitzen, meistens nur um die Schatten aufzuhellen. Wer ohne Blitz rausgeht, macht deshalb nicht dasselbe wie der Fotograf auf dem Beispielbild, sondern etwas Schwereres.

Ohne auf das Wetter zu warten

Du lädst ein Selfie hoch und bekommst ein Porträt zurück, dessen Licht sitzt. Wie hoch die Sonne an diesem Tag steht, spielt dabei keine Rolle. Das erste Foto kostet nichts.

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