Ratgeber · Bewerbungsfoto
Die Frisur fürs Bewerbungsfoto: eine Studie, zwei Ratschläge
Auf der ersten Google-Seite zu diesem Thema stehen zwei Empfehlungen, die einander ausschließen. Beide berufen sich auf Studien. Eine Fundstelle nennt keine von beiden. Wir sind der Kette nachgegangen, bis zu der Mannheimer Dissertation von 2004, aus der das ganze Feld schöpft.
Die Entscheidung, um die es hier geht: Haargummi in der Hand, Haare noch offen. In dieser Reihenfolge bleiben beide Varianten möglich.
Der Befund
Platz 1 und Platz 4 sagen das Gegenteil
Wir haben am 7. August 2026 die Trefferliste zu „bewerbungsfoto frisur“ abgerufen und die Ergebnisse im Volltext gelesen. Zwei davon geben eine Empfehlung, die sich mit der anderen nicht vereinbaren lässt. Beide stehen auf derselben Trefferseite.
Je seriöser du wirken möchtest, desto eher solltest du die Haare für das Bewerbungsfoto hochstecken oder einen Zopf machen.“
spirofrog.de, abgerufen am 07.08.2026. Die Seite verweist auf „Studien“, ohne eine zu benennen.
Die Frisur spielt fürs Bewerbungsfoto keine große Rolle. Du solltest dich damit wohlfühlen.“
ausbildung.de, abgerufen am 07.08.2026. Die Seite nennt für diese Einschätzung ebenfalls keine Quelle.
Beide Lager haben dieselbe Wurzel. Der Widerspruch entsteht nicht, weil es zwei Untersuchungen gäbe, sondern weil eine einzige Untersuchung unterschiedlich zusammengefasst wurde. Wer wissen will, was daraus für das eigene Foto folgt, muss zuerst wissen, was diese Untersuchung gemessen hat.
Die Quellenkette
Von 2004 bis heute, über drei Stationen
Wir haben jede Station einzeln aufgerufen und die Formulierungen verglichen. Der Weg ist lückenlos. Mit jeder Weitergabe verschwindet ein Stück Kontext.
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2004
Die Dissertation
Anke von Rennenkampff promoviert an der Universität Mannheim über „Aktivierung und Auswirkungen geschlechtsstereotyper Wahrnehmung von Führungskompetenz im Bewerbungskontext“. Der Volltext liegt bis heute offen im Publikationsserver der Universität, die Disputation war am 2. November 2005.
madoc.bib.uni-mannheim.de/860/ — Abstract und PDF frei abrufbar.
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2015
Die erste Weitergabe
In einem Forenthread fragt jemand, wie er sich vor dem Bewerbungsfoto die Haare schneiden lassen soll. Die vom Fragesteller als hilfreich markierte Antwort zitiert eine Karriereseite Wort für Wort, samt Namen der Forscherin. Aus einer Untersuchung über Rollenbilder ist damit ein Frisurtipp geworden.
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2026
Die dritte Hand
Ein Anbieter von KI-Bewerbungsfotos schreibt im Februar 2026, „Studien deuten darauf hin“, dass hochgesteckte Haare mit mehr Kompetenz verbunden werden. Dazu kommt eine Zahl von rund 73 Prozent. Eine Fundstelle steht in dem Artikel nicht mehr, weder für das eine noch für das andere.
Zu den 73 Prozent: Diese Zahl stammt aus einer Umfrage der australischen Friseurkette „Bossy Hair“, in der drei von vier Befragten angaben, das Styling in ihr Urteil über die Professionalität von Kolleginnen und Kollegen einzubeziehen. Das ist die Erhebung eines Anbieters im eigenen Markt und keine unabhängige Untersuchung, weshalb sie nur mit dieser Herkunft zitiert gehört.
Was gemessen wurde
Die Arbeit empfiehlt keine Frisur, sie misst eine Verzerrung
Im Abstract der Dissertation steht der Satz „Manipulierbare Merkmale sind Make-up, Frisur und Kleidung“. Untersucht wurde, wie stark diese veränderbaren Merkmale die zugeschriebene Führungskompetenz beeinflussen, verglichen mit den Gesichtszügen, an denen sich nichts ändern lässt. Das Ergebnis: Die veränderbaren Merkmale wiegen schwerer.
Der zweite Befund ist der entscheidende. Zugeschrieben wurde mehr Führungskompetenz, wenn jemand Merkmale trug, die als typisch männlich gelten. Bei Bewerberinnen fiel dieser Effekt stärker aus als bei Bewerbern. Gemessen wurde damit ein Rollenbild im Kopf der beurteilenden Person, nicht eine Eigenschaft der Frisur.
Dieser Unterschied trägt weit. „Hochgesteckt wirkt kompetenter“ liest sich wie eine Stilregel, die überall und für jeden gilt. „Wer maskuliner gelesen wird, bekommt mehr Führungskompetenz zugeschrieben“ beschreibt dagegen eine Voreingenommenheit, die stark davon abhängt, wer auf dein Foto schaut und für welche Stelle. Wer den ersten Satz für den zweiten hält, macht aus einem Befund über Personalauswahl einen Ratschlag über Haargummis.
Für dich heißt das nicht, dass die Frisur egal wäre. Es heißt, dass die Frisur eine Entscheidung ist, die dir gehört. Die häufig zitierte Studie nimmt sie dir nicht ab. Was sie beitragen kann, ist die Information, in welche Richtung ein Teil der Betrachtenden verzerrt urteilt.
Die Fototag-Regel
Am Fototag zählt nicht Geschmack, sondern Umkehrbarkeit
Es gibt eine Empfehlung im ganzen Feld, die keine Geschmacksfrage berührt und trotzdem fast jede Frisurdebatte auflöst. Eine Düsseldorfer Fotografin formuliert sie so: „Zusammenbinden können Sie die Haare dann immer noch vor Ort.“ Umgekehrt gilt das nicht, weil ein Haargummi Knicke hinterlässt, die sich in der halben Stunde vor dem Termin nicht mehr herausbürsten lassen.
Daraus wird eine Rangfolge, sortiert danach, wie viele Möglichkeiten dir eine Entscheidung offen lässt. Je weiter oben, desto mehr Varianten kannst du am selben Termin ausprobieren, ohne etwas zu riskieren.
- 1Offen zum Termin kommenDu kannst vor Ort in zwei Minuten einen Zopf binden oder hochstecken. Alle Varianten bleiben an diesem Tag erreichbar.
- 2Gebunden kommen, Gummi lösenNach dem Öffnen bleiben Knicke an der Bindestelle sichtbar. Im Gegenlicht fallen sie besonders auf. Eine Bürste hilft dabei selten weiter.
- 3Frisch hochgesteckt kommenDas Auflösen kostet Zeit und hinterlässt Wellen von den Nadeln. Für die offene Variante brauchst du in diesem Fall einen zweiten Termin.
- 4Am Vortag schneiden lassenEin frischer Schnitt sitzt am ersten Tag anders als im Alltag. Rückgängig machen lässt sich davon nichts.
Rangfolge nach Umkehrbarkeit, abgeleitet aus den Hinweisen zweier Fotografinnen und Fotografen mit Bewerbungsfoto-Schwerpunkt (talentcenter.tertia.de und malte-reiter.de, beide abgerufen am 07.08.2026).
Vorlauf
Der Kalender vor dem Termin
Zwei Fotografen nennen unabhängig voneinander denselben Kern: Zwischen Friseurbesuch und Fototermin gehört Abstand, weil Haare direkt nach dem Schnitt anders fallen als in der Woche danach. Daraus ergibt sich ein kurzer Plan, der auch dann trägt, wenn du das Foto selbst aufnimmst.
- 14 bis 7 Tage vorher
- Friseurtermin legen. Geschnitten wird in der Regel etwas kürzer als besprochen. Danach braucht die Frisur rund eine Woche, bis sie wieder wie gewohnt fällt.
- 7 Tage vorher
- Ansatz prüfen, falls du färbst. Herausgewachsene Haaransätze lassen sich später nicht retuschieren, deshalb entscheidet dieser Blick über den Termin.
- Am Fototag
- Mit offenen Haaren und mit den eigenen Stylingprodukten kommen. Fremde Produkte verhalten sich in deinen Haaren anders, als du es gewohnt bist.
- Vor der Aufnahme
- Beide Varianten fotografieren: einmal offen, einmal gebunden. Entschieden wird danach am Bild und nicht vorher am Spiegel.
Im Bildausschnitt
Vier Frisuren, gleicher Ausschnitt
Am Spiegel entscheidest du über eine ganze Person, auf dem Bewerbungsfoto über einen Ausschnitt von Kopf und Schultern. Die vier folgenden Aufnahmen zeigen dieselbe Bildsprache mit vier Frisuren, damit du siehst, was der enge Ausschnitt jeweils betont.
Offen
Die Haare rahmen das Gesicht und füllen die Schulterpartie. Das wirkt zugänglich, verlangt aber eine ruhige Kante zum Hintergrund, weil einzelne Strähnen sonst unruhig freistehen.
Tiefer Zopf
Der Halsansatz und die Schulterlinie werden sichtbar, das Gesicht bekommt mehr Fläche. Diese Variante bleibt nah an deinem Alltag, wenn du ohnehin oft bindest.
Hochgesteckt
Stirn und Kieferlinie stehen frei, die Silhouette wird schmal und geordnet. Das ist die Variante, auf die sich die zitierte Studienlage bezieht, mit allem, was oben dazu steht.
Kurz
Kurze Längen brauchen keine Entscheidung am Fototag, weil sie ohnehin nur eine Form haben. Dafür fällt jeder ungleiche Schnitt an den Konturen sofort auf.
Wenn es nicht um Wirkung geht
In manchen Berufen entscheidet die Arbeit, nicht der Eindruck
Es gibt Stellen, bei denen die Frisur auf dem Foto keine Stilfrage ist. Das betrifft mehrere Felder: Pflege, Küche, Labor, Lebensmittelverkauf. Dort müssen die Haare am Arbeitsplatz aus hygienischen Gründen geschlossen getragen werden. Eine Fotografin mit Bewerbungsfoto-Schwerpunkt zieht daraus den naheliegenden Schluss: Wer sich dort bewirbt, zeigt sich auch auf dem Bild so, weil das die Sache und nicht den Geschmack trifft.
Der Vorteil ist beiläufig und trotzdem echt. Du beantwortest damit eine Frage, die dir sonst im Gespräch gestellt würde. Nebenbei zeigst du, dass du die Bedingungen der Stelle kennst. Für einige dieser Berufe haben wir eigene Seiten mit den Anforderungen an das Foto.
Grenzen der Nachbearbeitung
Was sich später an den Haaren noch ändern lässt
Wir bauen ein Werkzeug für KI-Bewerbungsfotos. Diese Frage gehört deshalb hierher, ehrlich beantwortet. Manches lässt sich nach der Aufnahme noch beheben, anderes ist mit dem Auslöser entschieden. Die Trennlinie verläuft dort, wo die Kamera Bildinformation aufgezeichnet hat.
| Am Ausgangsbild | Später änderbar | Warum |
|---|---|---|
| Hintergrund und Licht | Ja | Beides liegt außerhalb deiner Kontur und wird ohnehin neu aufgebaut. |
| Einzelne abstehende Strähnen | Meist | Feine Strukturen an der Kante lassen sich glätten, solange der Hintergrund ruhig ist. |
| Herausgewachsener Ansatz | Nein | Der Farbunterschied liegt mitten in der Haarfläche und wirkt korrigiert schnell aufgemalt. |
| Knick vom Haargummi | Nein | Der Knick verändert den Verlauf ganzer Strähnen, nicht nur deren Farbe. |
| Haare, die ein Auge verdecken | Nein | Was verdeckt ist, wurde nicht aufgenommen. Der direkte Blick ist auf einem Bewerbungsfoto das Wichtigste. Nachträglich freilegen lässt er sich nicht. |
| Offen gegen gebunden tauschen | Nein | Das wäre eine andere Aufnahme und keine Bearbeitung. Deshalb steht die Entscheidung am Fototag. |
Der Punkt zum verdeckten Auge folgt der Einschätzung des Fotografen Malte Reiter, der den freien Blick als zentrale Anforderung an die Frisur beschreibt.
Erst sehen, dann entscheiden
Die ehrlichste Antwort auf die Frisurfrage ist ein Vergleich am eigenen Gesicht statt an einer fremden Studie. Mit einem Selfie bekommst du beide Varianten in derselben Bildsprache und kannst nebeneinander legen, was sonst nur im Kopf gegeneinander steht.
Dein Bewerbungsfoto erstellenDas erste Foto ist kostenlos, eine Zahlungsangabe ist dafür nicht nötig.
Häufige Fragen
Frisur und Bewerbungsfoto
Haare offen oder zusammen auf dem Bewerbungsfoto?
Beide Varianten funktionieren, weil die häufig zitierte Studie dazu gar keine Empfehlung ausspricht. Die Entscheidung gehört damit dir. Praktisch spricht einiges dafür, mit offenen Haaren zum Termin zu kommen und vor Ort beide Fassungen aufzunehmen. Zusammenbinden geht in zwei Minuten, während sich Knicke vom Haargummi nicht mehr herausbürsten lassen. Entscheide danach am Bild, nicht vorher am Spiegel.
Machen hochgesteckte Haare einen kompetenteren Eindruck?
Die deutsche Untersuchung hinter dieser Aussage hat etwas anderes gemessen, als die Kurzfassungen nahelegen, nämlich eine Voreingenommenheit im Urteil der beurteilenden Person. Wer Merkmale trägt, die als typisch männlich gelten, bekommt mehr Führungskompetenz zugeschrieben. Bei Bewerberinnen fällt dieser Effekt stärker aus. Das ist ein Befund über Personalauswahl und keine Stilregel, die für jede Stelle und jedes Gesicht gilt.
Wie lange vor dem Fototermin sollte ich zum Friseur?
Zwischen sieben und vierzehn Tagen liegt das Fenster, das Fotografinnen und Fotografen übereinstimmend empfehlen. Der Grund ist praktisch und hat nichts mit Wirkung zu tun: Geschnitten wird meist etwas kürzer als besprochen. Danach braucht die Frisur rund eine Woche, bis sie wieder so fällt wie im Alltag. Ein Termin am Vortag ist das größte vermeidbare Risiko.
Was gilt für Männer beim Bewerbungsfoto?
Für Männer berichten die Quellen einen kleineren Effekt der Frisur selbst. Wichtiger sind gepflegte, gewaschene Haare sowie ein sauber abgegrenzter Bart. Ein Bartschatten am Aufnahmetag fällt im Studiolicht stärker auf als im Spiegel, deshalb gehört die Rasur an denselben Tag. Am aufwendigsten wird die Retusche bei Härchen in Nase und Ohren. Die gehören vor dem Termin weg.
Muss ich die Haare zusammenbinden, wenn ich mich in der Pflege bewerbe?
Vorgeschrieben ist das nirgends, in der Pflege und im Lebensmittelbereich aber die naheliegende Wahl. In diesen Berufen werden die Haare am Arbeitsplatz aus hygienischen Gründen geschlossen getragen. Wer sich auf dem Foto genauso zeigt, beantwortet eine Frage im Voraus. Hier geht es um die Bedingungen der Stelle und nicht um den Eindruck.
Kann eine KI meine Frisur auf dem Foto nachträglich ändern?
Am Hintergrund und am Licht lässt sich nachträglich viel machen, an der Frisur selbst dagegen wenig. Einzelne abstehende Strähnen an der Kontur bekommt man in der Regel ruhig. An der Frisur selbst endet es schnell: Ein Knick vom Haargummi, ein herausgewachsener Ansatz oder Haare, die ein Auge verdecken, sind mit dem Auslöser entschieden. Was die Kamera nicht aufgezeichnet hat, kann kein Werkzeug später ergänzen.
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