Passbild-Automat: drei Maschinen, ein Name, zwei gültige Wege
Wer nach einem Passbildautomaten sucht, meint fast immer die Kabine mit dem Vorhang. Genau die führt seit August 2025 beim Personalausweis nicht mehr ans Ziel. Bei anderen Dokumenten dagegen schon.
Der Viererstreifen ist das Ausgabestück der Straßenkabine. Für Ausweis und Pass ist er seit August 2025 der falsche Ausgang.
Die kurze Antwort, bevor du losfährst
Seit dem 1. Mai 2025 nehmen die Ämter für Personalausweis und Reisepass nur noch digitale Lichtbilder an. Für Papierbilder lief eine Übergangsfrist, und die endete am 31. Juli 2025.
Verbraucherzentrale, „Digitale Passbilder Pflicht seit Mai 2025“; Stadt Münster, Bürgerservice
Zulässig sind seither drei Wege: das Terminal in der Behörde, ein registriertes Fotostudio und registrierte Anbieter wie einzelne Drogerieketten. Alle drei schicken das Bild verschlüsselt über eine Cloud an das Amt.
NDR, „Digitale Passbilder ab August Pflicht“, 31.07.2025
Das Terminal im Bürgerbüro kostet sechs Euro. Derselbe Betrag gilt, ob du dich selbst hineinsetzt oder das Bild von Mitarbeitenden aufnehmen lässt.
Stadt Münster, Meldung zu den PointID-Terminals in allen sieben Bürgerbüros
Für den Führerschein, für die Bewerbung und für jeden Betriebsausweis hat sich dagegen nichts geändert. Der gedruckte Abzug zählt dort weiter. Die Kabine am Bahnhof ist dafür so brauchbar wie vorher.
Was aus den drei Automaten in der Hand bleibt
Drei Geräte tragen im Alltag denselben Namen. Der schnellste Weg, sie auseinanderzuhalten, ist die Frage, womit du wieder herauskommst: mit Papier, mit einem Code oder mit nichts, weil das Bild schon dort ist, wo es hinsollte.
01
Die Kabine mit dem Vorhang
Bahnhof, Einkaufszentrum, Vorraum einer Drogerie
Du bekommst einen Streifen mit vier gedruckten Bildern.
×Personalausweis und Reisepass: zählt nicht mehr
✓Führerschein, Bewerbung, Betriebs- und Vereinsausweis: zählt weiter
ca. 5 bis 10 € für vier Bilder, je nach Standort
Meist nur drei Versuche, danach zahlst du erneut. Viele Kabinen nehmen ausschließlich Bargeld und geben kein Wechselgeld heraus.
02
Das Terminal im Bürgerbüro
Im Amt selbst, meist neben der Wartezone
Im Verfahren
Du bekommst kein Foto in die Hand. Das Bild liegt bereits im Vorgang.
✓Personalausweis und Reisepass: der vorgesehene Weg
×Bewerbung und Alltag: nichts zum Mitnehmen
6 € pro Lichtbild
Preis der Stadt Münster für PointID; jede Kommune erhebt die Gebühr selbst.
03
Das Gerät beim registrierten Anbieter
Fotostudio, teils Drogeriekette
Code fürs Amt
Du bekommst einen Ausdruck mit einem Data-Matrix-Code.
✓Personalausweis und Reisepass: Amt scannt den Code
✓Kleine Kinder: von Kommunen ausdrücklich empfohlen
Preis frei kalkuliert, je nach Studio
Der Code holt das Bild aus einer nach BSI-Vorgaben zertifizierten, verschlüsselten Cloud.
Warum ein gedrucktes Bild plötzlich nicht mehr reicht
Der Grund liegt nicht in der Bildqualität. Ein Automatenfoto ist scharf genug und hält die Maße ein. Das Problem ist der Weg dorthin: Ein Papierabzug lässt sich zwischen Kabine und Amtstresen bearbeiten, und genau dagegen richtet sich die Regel.
Gemeint ist das sogenannte Morphing, bei dem zwei Gesichter zu einem Bild verrechnet werden, das beiden Personen ähnlich genug sieht. Wer so ein Bild einreicht, bekommt einen echten Ausweis mit einem Gesicht, das nicht nur ihm gehört. Solange das Bild als Papier über den Tresen geht, kann die Behörde nicht erkennen, was zwischen Aufnahme und Abgabe passiert ist.
Deshalb ist der Weg jetzt geschlossen: Wer aufnimmt, ist registriert, das Bild wandert verschlüsselt in eine zertifizierte Cloud, die Behörde holt es dort selbst ab. Der Data-Matrix-Code auf deinem Zettel ist nur der Schlüssel dazu. Er trägt kein Bild, er zeigt dem Amt, welches abzurufen ist.
Das Terminal im Amt ist Selbstbedienung, und das trifft zwei Gruppen hart
Die Automaten in den Bürgerämtern sind gut gemeint, aber sie sind keine Fotokabine mit Auslöser. Sie scannen das Gesicht, und dafür verlangen sie Mitarbeit. Der NDR hat Ende Juli 2025 die Bürgerämter im Landkreis Emsland dazu befragt. Die Befunde sind bis heute die ehrlichste Beschreibung der Lage.
Säuglinge und Kleinkinder
Für den Scan muss das Kind längere Zeit still sitzen und Kopf und Augen auf Ansage bewegen. Haselünne, Meppen und Emsbüren melden, dass das kaum gelingt. Die Städte raten Eltern deshalb zum zertifizierten Fotografen, der flexibler aufnehmen kann.
Ältere Menschen
Viele brauchen Hilfe bei der Bedienung. Aus einem Selbstbedienungsgerät wird dann ein Gerät, das eine Mitarbeiterin bedient. Die Ausstellung eines Passes dauert dadurch länger als vorher.
Technik zum Start
In Bremen funktionierten die QR-Codes für die Bildübermittlung zeitweise nicht. Aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurden Softwareprobleme und verspätet gelieferte Geräte gemeldet.
Was besser wurde
Die Samtgemeinde Werlte hält dagegen: Seit das Bild vor Ort entsteht, wird niemand mehr wegen eines veralteten oder ungeeigneten Passbilds wieder weggeschickt.
Praktisch heißt das: Wer allein kommt und mit Touchscreens umgehen kann, ist am Terminal schnell und günstig fertig. Wer ein Kleinkind dabei hat oder Hilfe braucht, plant den Weg über ein Studio besser vorher ein, statt es vor Ort zu versuchen.
Wofür der Streifen aus der Kabine weiterhin zählt
Die Digitalpflicht gilt für zwei Dokumente, nicht für alle. Das geht in der Berichterstattung oft unter, weil „Passbild“ umgangssprachlich alles meint, was 35 mal 45 Millimeter misst.
Wofür
Form
Was das für den Automaten heißt
Personalausweis
nur digital
Terminal im Amt oder registrierter Anbieter. Papier wird nicht mehr angenommen.
Reisepass
nur digital
Gleiche Regel wie beim Personalausweis.
Führerschein
Papier zulässig
Die Stadt Münster nennt den Führerschein ausdrücklich als Dokument, für das Papierbilder weiter zugelassen sind.
Betriebs- und Vereinsausweis
Papier zulässig
Es entscheidet die ausstellende Stelle, nicht die Passverordnung. Meist genügt ein Abzug oder eine Datei.
Bewerbung und Lebenslauf
frei
Keine Behörde, keine Vorgabe. Hier zählt nur, ob das Bild zur Stelle passt.
Für den Aufenthaltstitel machen die hier ausgewerteten Quellen keine Aussage. Wer einen beantragt, fragt besser vorher bei der zuständigen Behörde nach, statt sich auf eine Analogie zum Personalausweis zu verlassen.
Was die drei Wege kosten
Terminal im Bürgerbüro6,00 €
Pro Lichtbild, gleiche Gebühr für Selbstbedienung und Aufnahme durch Mitarbeitende. Zahl aus Münster; andere Kommunen setzen ihre Gebühr selbst fest.
Kabine am Bahnhofca. 5–10 €
Für vier Bilder auf einem Streifen. In der Regel drei Versuche; wer unzufrieden ist, wirft rund fünf Euro nach. Für Ausweis und Pass ist das Geld allerdings verloren.
Registriertes Fotostudiofrei kalkuliert
Kein festgesetzter Preis. Dafür bekommst du Beratung, mehrere Versuche und bei kleinen Kindern jemanden, der wartet, bis das Kind schaut.
Der teuerste Weg ist keiner davon, sondern der zweite Termin: einmal umsonst ins Amt, weil der Streifen aus der Kabine nicht angenommen wurde.
Vier Bewerbungsfotos, für die niemand in eine Kabine muss
Für die Bewerbung gilt keine dieser Regeln. Kein Amt sieht das Bild, es gibt keine Übermittlung und kein Format, das eingehalten werden müsste. Es zählt allein, ob der Mensch auf dem Bild zur ausgeschriebenen Stelle passt. Dafür ist die Kabine mit dem Vorhang das falsche Werkzeug, weil sie genau ein Licht und einen Hintergrund kennt.
Dunkles Sakko vor Off-White
Die Fassung, die im Anschreiben an eine Stelle mit Kundenkontakt gehört. Offener Kragen statt Krawatte, damit das Bild nicht steifer wirkt als der Betrieb.
Hellblaue Bluse vor warmem Grau
Für Verwaltung, Buchhaltung und kaufmännische Berufe. Der warme Grauton nimmt dem Bild die Ausweis-Anmutung, ohne unruhig zu werden.
Graues Hemd vor Weiß
Die Fassung für Ausbildung, Technik und Handwerk. Ein Hemd ohne Sakko liest sich in diesen Berufen ehrlicher als der geliehene Anzug.
Dunkler Rollkragen vor Anthrazit
Für Beratung, Projektleitung und Positionen mit Führungsanteil. Der Hintergrund bleibt gerade hell genug, dass die Schulterlinie noch zu erkennen ist.
Ein Bewerbungsfoto, ohne Vorhang und ohne Münzen
Lade ein normales Selfie hoch und sieh dir an, was daraus wird. Das erste Foto ist kostenlos, du entscheidest danach.
Für Ausweis und Pass bleibt der Weg über Amt oder Studio. Das ersetzen wir nicht.
Häufige Fragen
Sind Passbilder aus dem Automaten noch erlaubt?
Das kommt darauf an, welcher Automat gemeint ist. Der Fotoautomat im Bahnhof oder im Einkaufszentrum gibt einen Papierstreifen aus. Den nimmt das Bürgerbüro für Personalausweis und Reisepass seit dem Ende der Übergangsfrist am 31. Juli 2025 nicht mehr an. Das Terminal im Bürgerbüro selbst ist ebenfalls ein Automat, dieser aber ist ausdrücklich vorgesehen: Es nimmt das Bild auf und gibt es direkt in das Verfahren.
Was kostet das Passbild-Terminal im Bürgerbüro?
Die Stadt Münster nennt sechs Euro pro Lichtbild, und zwar sowohl für das Selbstbedienungsterminal als auch dafür, dass Mitarbeitende das Bild aufnehmen. Die Gebühr für das Aufnahmesystem PointID der Bundesdruckerei liegt bundesweit in derselben Größenordnung, wird aber von jeder Kommune selbst erhoben. Bevor du losfährst, lohnt ein Blick auf die Seite deines Bürgerbüros.
Kann ich mein Passbild noch beim Fotografen machen lassen?
Ja, und für kleine Kinder empfehlen mehrere Kommunen genau das. Registrierte Fotostudios und Anbieter nehmen das Bild auf und übertragen es verschlüsselt über eine vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierte Cloud. Du bekommst einen Ausdruck mit einem Data-Matrix-Code, der im Amt eingescannt wird, damit das Bild abgerufen werden kann.
Wofür darf ich den Papierstreifen aus der Kabine noch verwenden?
Für alles, was nicht Personalausweis oder Reisepass ist. Die Stadt Münster schreibt ausdrücklich, dass für andere Dokumente wie den Führerschein weiterhin Papierbilder zugelassen sind. Genauso zählt der Abzug für Betriebs-, Vereins- und Studierendenausweise sowie für alles, was nie über einen Amtstresen geht.
Warum funktioniert der Automat mit kleinen Kindern so schlecht?
Das Terminal scannt das Gesicht, statt einfach abzudrücken. Dafür muss die Person längere Zeit still sitzen und bestimmte Kopf- und Augenbewegungen ausführen. Bürgerämter im Landkreis Emsland melden, dass Säuglinge und Kleinkinder das kaum leisten können. Sie raten in diesen Fällen zum zertifizierten Fotografen, der flexibler aufnehmen kann.
Brauche ich für ein Bewerbungsfoto überhaupt einen Automaten?
Nein. Ein Bewerbungsfoto geht durch keine Behörde, es wird nur von Menschen angesehen. Es gibt keine Vorschrift zu Format, Hintergrund oder Übermittlung. Der Vierer-Streifen aus der Kabine ist für diesen Zweck weder gefordert noch besonders vorteilhaft. Hier zählt allein, ob das Bild zur Stelle passt.
Quellen
Stadt Münster, Bürgerservice: „Digitales Passbild: Geräte der Bundesdruckerei in allen sieben Bürgerbüros einsatzbereit“. Daraus: Gebühr von sechs Euro, PointID-Terminals in allen sieben Bürgerbüros, Papierbilder für den Führerschein weiter zulässig. Abgerufen am 8. September 2026.
NDR: „Digitale Passbilder ab August Pflicht“, Stand 31. Juli 2025. Daraus: die Befunde aus den Bürgerämtern im Landkreis Emsland zu Kindern, älteren Menschen und Technikproblemen.
Verbraucherzentrale: „Digitale Passbilder Pflicht seit Mai 2025“. Daraus: Übergangsfrist bis 31. Juli 2025, Data-Matrix-Code, nach BSI-Vorgaben zertifizierte Cloud, Morphing als Anlass der Regelung.
Bundesministerium des Innern beziehungsweise Personalausweisportal: „Vereinfachte Ausweisbeantragung ab Mai 2025“. Daraus: die Gebühr von sechs Euro bei Nutzung des Aufnahmesystems PointID in der Behörde.
Preis- und Bedienangaben der Straßenkabine: Angaben von photobooth.online zu Preis und Versuchszahl sowie der Hinweis des Skyline Plaza Frankfurt, dass der dortige Automat nur Bargeld annimmt und kein Wechselgeld herausgibt. Abgerufen am 8. September 2026.